Pairtrading-Strategien
Für viele von Ihnen bedeutet Trading, sich festzulegen auf eine Marktrichtung in einem Underlying. Sie erwarten einen Anstieg des Dax, also kaufen Sie einen Call. Sie erwarten einen fallenden Euro, also kaufen Sie einen Put.
Hierbei gehen Sie ein recht hohes Risiko ein, denn Sie sind abhängig davon, dass genau dieser eine Markt so läuft, wie Sie das erwarten.
Da man schlecht beraten ist, wenn man nur einen einzigen Markt handelt, gleich wie gut man diesen vermeintlich kennt, ist von Interesse, welche Märkte man handelt und wann man diese in welche Richtung handelt.
Um hier weiter zu kommen, muss man wissen, dass es zwischen bestimmten Märkten Korrelationen gibt.
Sie werden in den Wirtschaftsmedien sicher schon einige vermeintliche Korrelationen gehört haben, doch so traurig das auch sein mag- die meisten dort zitierten Korrelationen sind nicht existent.
Das prominenteste Beispiel ist die angebliche Antikorrelation zwischen Ölpreis und Aktienmarkt.
Immer wieder erzählen Marktkommentatoren und Analysten, daß der Dax fällt, weil der Ölpreis steigt.
Es ist sehr traurig, dass solche Unwahrheiten immer noch durch die Medien geistern, denn sie sind schlichtweg nicht existent.
Schauen Sie sich einfach den Verlauf der letzten 3 Jahre an.
Dax, Dow, Nasdaq und S&P 500 stiegen parallel mit einem stark steigenden Ölpreis. Auch langfristig gab es diese Antikorrelation nicht.
Es gibt aber tatsächlich existente Korrelationen zwischen einigen Märkten, die durch sogenanntes Pairtrading profitabel gehandelt werden können.
Um welche Märkte es sich handelt und wie man hier konkret vorgehen kann, werden wir nachfolgend erläutern.
Eine tatsächliche Korrelation ist zwischen USD und Gold existent.
Diese rührt u.a. daher, dass Gold seit Jahrhunderten als Hedge gegen Währungen gehandelt wird und Gold in Krisen und bei massiven Geldentwertungen als Zahlungsmittel dient, was kein anderes Edelmetall für sich beanspruchen kann.
Es gibt also eine logische Beziehung zwischen USD und Gold.
Man bildet eine sogenannte Ratio zwischen USD und Gold- eine USD/Gold-Ratio.
Diese kann, wie im Chart im oberen Indikator dargestellt durch einen Ratiokator gemessen werden.
Es gibt wegen der unterschiedlichen Einflußfaktoren, die z.B. den USD bewegen, kein konstantes Verhältnis zwischen USD und Gold, sondern immer wieder Ausweitungen des Spreads und Verengungen des Spreads.
Und diese Varianzen nutzt man beim Pairtrading.
Hat sich der Spread zu stark ausgeweitet und Gold ist z.B. stark gestiegen, während der USD gefallen ist, so setzt man auf eine Annäherung, indem man einen Pairtrade USD-Long und Gold-Short eröffnet.
Einen solchen Trade galt es kürzlich zu eröffnen, als Gold oberhalb 700$ stand.
Es muss hierbei klar sein, dass beim Pairtrading nur wichtig ist, wie sich die beiden Pairs im Verhältnis zueinander bewegen.
Man ist hier nicht zwangsläufig darauf angewiesen, dass beide Pairs (USD und Gold) in die gewünschte Richtung laufen.
Es kann z.B. durchaus sein, dass der USD sich weiter abschwächt, obwohl wir eine Longposition im USD und eine Shortposition in Gold halten.
In der Regel fällt dann Gold aber stärker, wenn ein solches Setup vorliegt und kompensiert die Verluste aus dem Longtrade im USD über.
Das Risiko, welches hier besteht ist natürlich nicht zu verachten.
Es kann theoretisch passieren, dass wir bei Gold short sind, doch dieses weiter steigt und wir im USD long sind und dieser weiter fällt.
Dieser ungünstigste aller Fälle kommt selten vor, ist aber theoretisch denkbar.
Nachdem nun die Grundlogik hinter einem solchen Pairtrade klar sein sollte, gilt es nun zu erklären, wie man einen solchen Trade timed.
Wann ist also der Spread auf einem Niveau angelangt, auf dem es Sinn macht sich zu positionieren?
Ich habe hier einen recht einfach umzusetzenden Indikator modifiziert.
Man legt eine Ratio (Ratiokator) zwischen den beiden Basiswerten (USD und Gold) an.
Diese stellt im Chart der obere, der beiden Indikatoren dar.
Da die absoluten Werte eines Spreads hier gerade bei dynamischen Bewegungen zu Fehlsignalen führen, muss ein zusätzlicher Filter installiert werden.
Hierfür nutze ich den RSI, den ich auf den Ratiokator anlege.
Wir nehmen also den RSI auf den Ratiokator mit einer 14er-Periode und definieren die Range des RSI von 23 bis 60.
Bei Werten nahe 23 im RSI ist der Spread stark ausgeweitet und es ist auf einen Spread-Close bzw. eine Annäherung zu setzen.
Im Chart sind diese Signale rot markiert.
Sie sehen, dass jeweils ab diesen Signalen eine Annäherung zwischen der USD- und der Gold-Kurse stattfand.
Bei den ersten beiden Signalen verläuft die USD-Kurve oberhalb der Gold-Kurve. Der Dollar fällt ab den Signalen unseres Indikators und der Goldpreis steigt.
Danach verläuft die Goldkurve oberhalb der USD-Kurve.
Bei den nachfolgenden Signalen, steigt der Dollar und Gold schwächt sich ab bzw. läuft seitwärts.
Man kann mit diesem Indikator auch die bevorstehenden Spread-Ausweitungen ablesen.
Der Spread sollte sich dann ausweiten, wenn der RSI auf den Ratiokator einen Wert von 60 erreicht.
Sie sehen im Chart, dass bei beiden aufgezeigten Fällen, die Basiswerte in der Folge auseinander driften.
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Wenn man diese Pairstrategie umsetzen will, ist darauf zu achten, dass man unbedingt beide Basiswerte handelt.
Lassen Sie sich keinesfalls dazu verleiten nur auf einen fallenden Goldpreis oder nur auf einen steigenden USD zu setzen, da diese Indikation nichts zur grundsätzlichen Richtung der Märkte, sondern nur zum Verhältnis der Märkte unter- und zueinander Aufschluß gibt.
Ich habe im RSI noch eine weitere Hilfslinie, die bei einem RSI von 41 verläuft.
Diese Linie bildet den Mittelwert zwischen den beiden Extremen (23 und 60) und sollte zur Reduzierung beider Positionen genutzt werden.
Wenn man also einen Pairtrade eröffnet hat, weil es ein Signal im RSI gab (Wert von 23 oder 60), so sollten 70% beider Positionen bei Erreichen einer RSI-Wertes von 41 glattgestellt und die restlichen Positionen am Einstandsniveau abgesichert werden.
Wer Probleme mit Exit-Strategien und dem Verwalten offener Positionen hat, sollte den kompletten Pairtrade bei Erreichen der 41 im RSI schliessen.
Diese Pairstrategie funktioniert auch bei Gold/Bonds & Gold/Oil, um nur zwei weitere Pairs zu nennen.
